Werbung kann nur effizient sein, wenn man damit die Aufmerksamkeit des potentiellen Benutzers/Interessenten/Käufers wecken kann.
Da gibt es noch so einige Unterscheidungen mehr, wie Menschen, die tatsächlich bereits Interesse an einem bestimmten Produkt haben und nach Informationen nach dem Für/Wider-Prinzip suchen, aber auch solche, die keinerlei Intention besitzen – jedenfalls zum bisherigen Zeitpunkt.
Jemand, der bereits auf der Suche nach einem neuen Wagen ist, springt sehr wahrscheinlich stärker auf eine Werbung an, in der es darum geht ein neues Model in den Markt einzuführen. Jemand, der kein neues Auto braucht, muss aber auch darauf aufmerksam gemacht werden, schon allein wegen dem Erinnerungsfaktor.
Eine Marke muss im Gedächtnis der Nutzer fest verankert werden, wenn man erreichen will, dass sie zu Käufern werden.
Die Erinnerung kann durch Widerholung erreicht werden, aber eine langweilige Werbung, bleibt auch nicht im Gedächtnis, man muss also die Aufmerksamkeit darauf lenken und das Produkt mit einem möglichst positiven Empfinden belegen.
Es gibt natürlich verschiedene Arten wie Werbung Aufmerksamkeit erreichen kann.
- Die in der Allgemeinheit bekannteste Theorie ist hier wohl der Ausspruch “sex sells“. Mit dieser Methode erreicht man durchaus die Aufmerksamkeit des Betrachters, ob dieser allerdings das Produkt bei einem zu starken Gebrauch von Sex, überhaupt registriert, ist fraglich und umstritten.
Männer reagieren angeblich besonders stark auf weibliche Reize, die im Zusammenhang mit einem vermeintlich “typisch männlichen” Produkt in Verbindung gebracht werden. Sowas funktioniert bis heute wohl noch ganz gut (in Bezug auf ältere Zielgruppen), wenn auf einem Poster eine fröhlich und sympatisch lächelnde Frau (in den gebährfreudigsten Jahren) ein Produkt in die Luft hällt. Ich frage mich wie hierbei die Resonanz heutzutage zum Vergleich von vor 10 Jahren ist… ich persönlich glaube nämlich nicht, dass man damit noch junge Kunden anspricht. Die bräuchten dann schon eher eine komplett nackte Frau, die sich räkelt und das Produkt dabei dummerweise komplett aus dem Fokus verdrängt.
Verzwickt. - Babys, sie haben einen ähnlichen Effekt wie Sex, auf eine andere Zielgruppe.
- Neugierde, eine meiner liebsten Arten, wie Werbung Aufmerksamkeit erregt. Bis heute eine der bei mir am einprägsamsten Kapagnen: die Einführung von eon. Ich lebte damals in Bremen und überall hingen die Plakate, komplett in rot nur mit dem Wort “on” darauf. Über Wochen war ich fasziniert davon nicht zu wissen, worum es dabei geht und zu spekulieren. Letztlich war ich enttäuscht, weshalb sich das Produkt vielleicht noch stärker eingeprägt hat. Aber auch Ikea hat eine zeitlang diese Taktik verfolgt und wirklich liebenswert umgesetzt “Wohnst Du noch?”
- Humor ob plump, intelligent, dreckig oder sonstwas, passend zu Produkt und Zielgruppe wohl die beste Art, um Aufmerksamkeit mit positiven Emotionen zu erreichen. Aber wohl auch die Schwierigste.
- “Niedliches” – ich fasse es mal so zusammen. Comicfiguren, Charming Bären, Maskottchen, alles was so in diese Riege passt.
Natürlich sind das nur extrem grob umrissene Möglichkeiten, das geht viel tiefer, Zielgruppengerecht, wie weit die Streuung liegt, wie hoch der Etat ist, weitere Methoden, Werbemittel Mix etc. Aber ich bin (leider) kein Marketing Profi und kann nur mit Basiswissen und persönlichen Erfahrungen dienen.
Weshalb ich aber ursprünglich diesen Beitrag verfasst habe, ist mein aktueller Lieblings “Werbetreibender”. Sie halten sich an den letzten Punkt meiner Auflistung. Ihre Werbung ist nicht plump, auf Anhieb sympatisch und mit viel Liebe gemacht. Jedenfalls bei mir kommen die Spots so an, für mich sind sie derzeit die Werbenden, die die stärksten positiven Emotionen auslösen.
Man sieht, es gibt Methoden, die um einiges besser funktionieren, als nackte Körper. Eine sinnvolle Botschaft wird transportiert, Zielgruppen übergreifend funktioniert es auch und noch dazu sieht es echt schick aus. Ganz ehrlich, zwei der besten Werbungen, die ich je gesehen habe!
Hier meine beiden Favoriten:
Im Vergleich dazu sei einmal ein wirklich -meiner Meinung nach- miserables Beispiel genannt. Stichwort Kombination.
Tic Tac.
Sehr schlecht. Beim ersten Schauen hatte ich ein Bild vor meinem inneren Auge von einem Kunden, der zu der Agentur seines Vertrauens gesagt haben muss: “Ich will lustige Tic Tacs, die reden und eine hübsche Frau, für die Männer, außerdem muss die Packung riesen groß sein!”
Vielleicht hatte er sogar Skizzen vom Enkel dabei und der arme Berater wusste direkt worauf das hinauslaufen würde.
Humor, Niedliches und Sex – alles in einem Spot?!
Raus kam Etwas, das mit einfallslosen Maskottchen, die wirklich selten schlechte Sprüche ablassen und komplett lächerlich wirken, wirbt. Und danach ist nicht Schluß! Nein! Ganz im Gegenteil, völlig aus dem Kontext gerissen taucht eine Tic Tac futternde und über beide Backen grinsende Blondine im Bild auf… kein Bezug zueinander, sozusagen zwei Spots in einem.
Und zu allem Überfluß gackern die Tic Tacs sich auch noch einen Ast … weil ja sonst keiner drüber lacht. ![]()
Wahrscheinlich gab es die albernen Comics bereits und danach fiel jemanden ein “wir brauchen noch den Eyecatcher!”
Und später hat man an der Stelle ein männliches langweiliges Zahnpasta-Lächeln – Model eingefügt, um auch den Frauen eine “Freude” zu machen…
Man hätte doch wenigstens einen Bezug zwischen den Figuren herstellen können und mit etwas mehr Intelligenz und Witz eine kleine Geschichte erzählt. Oder nach den Tic Tac Storylines aufgehört. DAS wär mal ne Idee! Weniger ist mehr…
Aber naja, manchmal kann man die Menschen eben nicht zu ihrem Glück zwingen.
Schlechteste Werbung der letzten 3 Jahre! Mindestens!
Das musste ich mal loswerden.